Seelennahrung versus Magenfutter

Oder wonach hungerst Du?

Ja, im Ernst, weißt du das überhaupt? Aber zu der Frage komme ich später.

Erst möchte ich anders anfangen. Wieso heißt Feuertaufe eigentlich Feuertaufe, wenn es den Sprung ins kalte Wasser bedeutet? Das ist der erste Gedanke, der mir aus dem Handgelenk aufs Blatt rutscht. »Was für eine blöde Frage« denkt sich mein Hirn. »Na, wie du aus der Nummer wieder raus kommst, möchte ich sehen, ha ha ha« echote eine weitere hämmische Stimme. Ich setze mich nämlich seit ein paar Tagen in der Früh gleich nach dem Aufstehen vor ein leeres Blatt Papier, mit möglichst leerem Kopf und Magen, und schaue was dabei herauskommt.

Die einzige Absicht, die ich dabei verfolge, ist mich bzw. meine Seele mit dem Schreiben zu erfreuen. Nichts davon muss veröffentlicht oder soll besonders weise werden. Ich schreibe, weil ich einfach etwas für mich tun möchte. Deshalb weiß ich nie, was der Inhalt sein wird. Das ist die einzige Prämisse, ich gebe keine Themen vor, sondern schaue welche Gedanken kommen. Ich schreibe sie auf wie sie kommen, ohne sie verbessern zu wollen, ohne Zensuren welcher Art auch immer. Es soll ja auch keiner lesen. Auch ich tue es nicht nachdem die Blätter voll sind. Wenn der erste Gedanken-Ansturm vorbei ist, lasse ich es sein und widme mich anderen Dingen. Nur heute möchte ich meine Gedanken mit euch teilen.

Also, wieso heißt Feuertaufe so, wenn es bedeutet ins kalte Wasser zu springen? (Komische Frage, ja, aber sie macht trotzdem Sinn. Ich habe gestern etwas getan vor dem ich große Angst hatte, mich aber danach sehnte es mal zu tun.) Feuertaufe, kaltes Wasser… Feuer und Wasser. Zwei Elemente: männlich und weiblich. Feuer steht für das Durchsetzungsvermögen, etwas in Angriff zu nehmen, zielstrebig sein Ziel zu verfolgen. Das Wasser fließt, hat symbolisch mit den Gefühlen zu tun, auch mit solchen, die wir nicht kontrollieren können. Nur verlangt unsere zivilisierte Gesellschaft von Frauen, dass sie ihre Gefühle gefälligst zügeln und kontrollieren sollen. Nein, hysterisch oder zickig darf ein braves Fräulein ja nicht sein. Aber das nur am Rande.

Du springst ins kalte Wasser und weißt nicht, ob du da wieder heil herauskommst. Der Ausgang ist erst mal unsicher und das fühlt sich gar nicht gut an, also das kalte Wasser. D.h. jedes Mal, wenn wir unsere Sicherheits- und Komfortzone verlassen, spüren wir unsere Unsicherheit der Herausforderung stand zu halten. Auch das Feuer kann uns verzehren, wenn wir es unbeabsichtigt zu groß werden lassen. Im besten Falle (rein spirituell gesehen) kann das Feuer uns läutern, indem es das Alte zerstört und so Platz schafft für Neues. Aber auch das macht Angst. Um so schöner, wenn wir unsere Herausforderungen gemeistert haben, d.h. die Feuertaufe bestanden haben. Ich finde, es ist egal wie groß oder klein die Herausforderung war, erfolgreich ist jeder, der sich ihrer annimmt. Wer über den Schatten seiner Ängstlichkeit springt und ankommt, wo er meinte, die Stelle vor dem Schatten mit seinem Sprung nicht erreichen zu können. Hinterher wundern wir uns immer wieder wie irrational groß uns – vor lauter Angst – der Schatten erschien. Wer hat aber den Schatten so riesig aufgeblasen? Das liebe Ego. Schließlich will es sich nicht blamieren. Ergo, lieber nichts wagen, als hinterher von anderen ausgelacht zu werden. Das trübt zu sehr seinen Stolz. Natürlich nur den falschen, aber es fühlt sich so fucking echt an. Schlussendlich dürfen wir nur unsere Erfolge feiern, Niederlagen sind gefälligst zu vermeiden, ja, komplett zu eliminieren. Die Sprüche à la »Entweder ich habe Erfolg oder ich lerne dazu« klingen super, aber nicht in den Ohren des eigenen Egos. Ja, soweit kommt’s noch…

Zielstrebigkeit und Ausdauer sind für mich typisch männliche Fähigkeiten und Art zu leben. Ein Attribut des Patriarchats. Dagegen lässt sich nichts sagen, solange damit nur die Männer gemessen werden. Aber in der patriarchalen Gesellschaft werden auch wir Frauen mit männlichen Instrumenten gemessen. Jeder Coach und Hobby-Psychologe wird heutzutage Frau wie Mann ohne Unterschied dazu raten, ihre Ziele zu verfolgen. Möglichst geradlinig, von A nach B. Von einem Ziel zum anderen zu schreiten, immer wieder, verspricht uns ein erfolgreiches = glückliches Leben. Also schreiben Frauen ihre To-do-Listen und fühlen sich – wenn sie in sich selbst hineinhorchen – unglücklich, unerfüllt. Haben sie gerade ein Ziel erreicht, warten 99 weitere nicht minder wichtige und ehrgeizige Ziele auf ihre Erfüllung. Der eine Erfolg macht gar nicht glücklich, müssen sie feststellen. Vielleicht kurzfristig schon, in dem Augenblick, wenn sie den Punkt von ihrer To-do-Liste abhaken können. Endlich, geschafft! Das ist ein gutes Gefühl! Leider währt der nicht lange. Warum? Weil wir unsere weiblichen Bedürfnisse dahinter nicht erkannt haben. (Ich betone deshalb »weibliche Bedürfnisse«, weil Männer meistens andere haben.) Wir rennen von Ziel A nach Ziel B ohne es zu hinterfragen, gefangen in einem ewigen Hamsterrad, weil wir glauben dadurch ein erfolgreiches und somit erfülltes Leben zu führen. Dabei hungern viele Frauen (und manch ein Mann) nach ganz anderen Dingen. Wir hungern nach inneren Bedürfnissen, die bei äußeren Zielen stets ungestillt bleiben. Vielleicht hungern wir nach mehr Zuwendung und Wertschätzung. Und natürlich bekommen wir diese, wenn wir ein Ziel erreicht haben, das der Erwähnung würdig ist. Dann bewundern uns die Menschen, scharren sich um uns um von der Aura des Erfolges auch ein Stück Glanz abzubekommen. Wenn nicht das, dann erhoffen sie sich wenigstens eine Anleitung, der sie folgen können, einen ausgetretenen Pfad mit ausgeklügelter Weganweisung um das gleiche Ziel möglichst schnell, ohne zu irren und unnötige Mühe selbst erreichen zu können.

Und der Sieger selbst? Ist der glücklich? Glücklich über den Rummel und die Aufmerksamkeit wahrscheinlich schon. Aber ist er allein glücklich mit dem erreichten Ziel? Und wie lange währt das Glücksgefühl? Schon bald werden neue, ehrgeizigere Ziele auserkoren, die es zu erreichen gilt um die Aufmerksamkeit und Bewunderung von Außen, die viel zu schnell verebbt, auf sich zu ziehen. Wir übersetzen oft »Bewundert werden« mit »Geliebt werden«. Wer erfolgreich ist wird bewundert, wird geliebt, hat Macht. Über andere und das Leben. Und das mag für viele Männer stimmen. Das sind ihre ureigenen Instinkte. Waren sie früher auf der Jagd nicht erfolgreich, gab es nichts zu essen und ihr Clan musste hungern, manch einer vielleicht sogar sterben. Waren sie im Kampf gegen den Feind nicht erfolgreich, hat er ihren Besitz, ihre Behausung, ihre Nahrung oder andere Reichtümer, vielleicht sogar ihre Frauen an sich gerissen. Nicht erfolgreich zu sein war – und ist heute immer noch – wie ein Todesstoß, den man zu Recht fürchtet. Deshalb können Männer in der Regel mit Erfolgen viel besser umgehen als eine Frau. Sie feiern sie wirklich, die Erfolge scheinen sie auch langfristig glücklich zu machen, auch wenn der Durst nach mehr wahrscheinlich immer mal mehr, mal weniger latent vorhanden ist. Bei Frauen ist das anders. Viele Frauen können mit ihren Erfolgen öffentlich gar nicht umgehen. Sie schämen sich der Aufmerksamkeit, die sie auf sich ziehen. Sie schmälern diese typischerweise aus falscher, er­zwun­ge­ner­ma­ßen angelernter Bescheidenheit heraus mit Aussagen wie: »Ja, aber ohne mein Team, ohne die Unterstützung von X, Y hätte ich es nie geschafft«. Das ist der eine Punkt. Der andere ist, dass Frauen durch ihre angeborene intuitive Gabe, ob sie sich deren bewusst sind oder nicht, ob sie es wollen oder nicht, vieles hinterfragen.

Ich kenne einige junge Frauen, die bereits mit 30 Jahren Ausbildungen abgeschlossen haben, die jeden Mann selbst über 40 vor Neid erblassen lassen. Die Businesswelt reißt sich um sie. Der männlich geprägte Arbeitsmarkt braucht bis über beide Ohren ehrgeizige, arbeitssüchtige Büro-Berseker um die Kämpfe um Macht, Stellung, kurzgesagt ums liebe Geld zu gewinnen. Frauen gelten oft als kreativer, wortgewandter und vor allem arbeiten sie härter für weniger Geld. Welch ein Segen für jeden Arbeitgeber! Wäre da nicht die Furcht vor ihrer Weiblichkeit, ihrem seltsamen Bedürfnis plötzlich Mutter werden zu wollen und Kinder zu gebären. Blöd. Echt blöd, und so unberechenbar. Und ist es nicht die Schwangerschaft, dann kommt nicht weniger oft die Spiritualität ins Spiel. Die Frau macht plötzlich mir nichts, dir nichts eine Yogalehrerausbildung, lernt alternative Heilmethoden und träumt davon sich damit beruflich neu zu orientieren. Ein bisschen verstehe ich die Herren Arbeitgeber schon, dass ihnen da der Kragen platzt und sie nur noch ungläubig den Kopf schütteln können. Ob der Dummheit wegen, das sei dahingestellt. Also verbringt die Frau ihren ganzen Urlaub in Indien, Nepal oder Thailand. Und stellt plötzlich alles in Frage; ihr Leben, ihren Beruf, ihren Chef, ihren Partner, die manipulierende Mutter, ihre vermeintlichen Freunde, die nur da sind, wenn sie sich nach vorgegebenen Regeln benimmt, spricht ihre Bedürfnisse erfüllt und nie Nein sagt. Ja, dann wird sie »geliebt«. Das Problem ist aber, sie fühlt sich eben nicht geliebt. Viele Männer empfinden ähnlich, nur Frauen hinterfragen öfter – vor allem sich selbst. Sie merken, dass der berufliche Erfolg sie doch nicht so glücklich macht, wie sie sich es anfangs erhofften. Dass der Sinn des Lebens nicht nur aus Sammeln von Statussymbolen bestehen kann. Es ist toll all diese teuren Dinge zu besitzen, aber sie alleine stillen niemals den inneren Durst und Hunger nach Frieden, Zuwendung, Liebe, Respekt, Empathie, Verständnis, Freude. Vor allem sich selbst gegenüber. Aber wir sind alle so stark nach Außen orientiert, dass selbst viele Frauen, die ihre inneren Sehnsüchte erkennen, diese im Außen zu befriedigen suchen. Sie denken, sie können erst ganz glücklich werden, wenn sie von einem ganz besonderen Mann ganz besonders viel geliebt werden. Wenn sie bis zum Umfallen ehrenamtliche Aufgaben übernehmen; für den Verein, für die Hilflosen und Bedürftigen dieser Welt, für den Guru, für alle Familienmitglieder und Freunde. Und opfern sich schon wieder komplett auf, nur diesmal für einen »guten Zweck«. Sie missachten regel- und routinemäßig alle Zeichen ihres Körpers nach Ruhe, nach Pause oder Entspannung. All das gilt als verlorene Zeit. Auch Krankheit. Schließlich sind nur die Erfolgreichen glücklich. Und Glück, ja, das ist das, was alle wollen. Spätestens bei den ersten ernsthaften Burnout Symptomen werden sie stutzig … Ja, mache ich denn was falsch? Macht der gute Zweck wie eine liebevolle Zuwendung, eine sinnvolle und sinnhafte Karma-Arbeit, sich für mehr Menschlichkeit und gegenseitigen Respekt einzusetzen doch nicht glücklich? Ist das alles wieder falsch und umsonst gewesen? Ja, solange du dich dabei selbst vergisst.

Willst du mehr Liebe in der Welt sehen, liebe dich selbst zuerst, respektiere DICH, dann wirst du von anderen respektiert, die wiederum anderen als Beispiel dienen. So können wir den Respekt in der Welt am schnellsten säen und vermehren. Wünscht du dir mehr Gerechtigkeit in der Welt, sei zuerst gerecht zu dir. Stille deine Bedürfnisse, die seelischen genauso wie die des Magens. Natürlich alles im Rahmen, ohne exzessiv zu werden. Die eigenen inneren Bedürfnisse haben für mich nichts mit der Gier zu tun, der wir oft nachgeben oder frönen. Wie gesagt, tolle Dinge zu besitzen ist wunderbar und eine Sünde, wer sich daran nicht erfreut. Aber sie alleine stillen nicht unseren inneren Hunger. Wir können uns z.B. den Respekt im Außen nicht wirklich erkaufen. Das sieht zwar oft so aus als ob, aber wenn wir ganz ehrlich sind, bleiben wir damit weiterhin hungrig. Hungrig nach mehr und immer mehr, weil das Herz sich nicht verarschen lässt. Wenn ich mich und die Bedürfnisse meiner Seele und meines Körpers ständig missachte, befriedigt mich irgendwann mal das 150 Paar Schuhe auch nicht mehr. Ein Burnout Betroffener bleibt ein Burnout Betroffener auch mit einem Porsche in der Garage. Mit dem ist er auch nicht schneller aus diesem schweren Zustand raus als einer ohne Auto.

Und was heißt das alles nun für mich? Vor allem, dass ich mich an den äußeren Dingen nur dann erfreuen kann, wenn ich gesund und kraftvoll bin. Wir alle brauchen Luft zum leben, aber soll ich deshalb nur noch einatmen, damit ich davon mehr habe als alle anderen? Das macht auch keiner. Mit der Verweigerung des Ausatmens würde ich innerhalb von nur ein paar Minuten sterben. Das Rennen, das wir veranstalten um Geld, Macht, äußere Zuwendung und Liebe, nach einem schnellen Vergnügen, auch des blinden Gefühls wegen »Gutes zu tun«, nur damit man sich nicht so nutzlos und leer fühlt – ohne Pause – ist wie die Weigerung nicht ausatmen, entspannen, verdauen, reflektieren zu wollen. Vor allem reflektieren wollen wir nicht, es könnte unser Leben in Frage stellen. Das ist hart, ohne Frage. Wir fühlen uns schlecht dabei. Aber nur über das Reflektieren kommen wir aus dem schlechten Gefühl der Leere und dem ständigen Hunger nach mehr heraus. Wenn mein Körper nach Ruhe und Entspannung verlangt, kann ich ihn nicht mit physischer Nahrung stillen. Auch nicht mit der aus dem teuersten Gourmet Tempel. Auch wenn der Vorgang des Essens an sich unsere anderen Gefühle für den Augenblick vernebelt und uns beruhigt.

Glaubst du wirklich, wenn du das Bedürfnis spürst dich kreativ zu betätigen, sagen wir mal z.B. ein Instrument spielen zu lernen oder zu malen – es muss nicht gleich auf der Meisterebene sein, sondern nur für dich aus purer Freude heraus – glaubst du wirklich, du kannst dieser Sehnsucht mit einer Tüte Gummibärchen oder Schokopralinen erfolgreich entkommen? Oder indem du dir den schönen Ring von Cartier holst? Also, die Schokolade kann schon herrlich sein, vor allem wenn man wie ich in der Schweiz lebt. Herrlich schön auch manch Ring von Cartier. Ich habe auch einen und lieben ihn. Nur meine Seele verlangt momentan danach zu schreiben. Ergo, reicht es mir nicht den schönen Ring zu tragen oder mich mit Schoko, Chips & Co voll zu stopfen. Ich muss, möchte und tue schreiben. Nur so kann ich meine Seele nähren. Was nicht ausschließt, dass ich mich an einem Stück Schokolade oder meinem Ring erfreuen kann. Aber der Blick auf den Ring stillt nicht den Hunger nach einem kreativen Ausdruck und für mich ist das das Schreiben.

Wir müssen einfach lernen zwischen den verschiedenen Hungergefühlen zu unterscheiden

Mein Magen will physische Nahrung, natürlich lecker, meine Seele hungert gerade nach mehr Ausdruck, also schreibe ich. Nur für mich. Ohne die Absicht damit meinen Blog zu füllen oder einen Bestseller zu schreiben. Obwohl das auch schön wäre… Und durchaus auf meiner Wunschliste ganz oben steht. Aber das ist wieder ein anderes Hungergefühl, das nach… Hmm, ja, nach was denn eigentlich? Der Hunger nach äußerer Anerkennung? Nach Geltung? Nach Wertschätzung in Form von Feedback über gute Rezensionen bis zum Geld hin? Oder möchte ich Einfluss nehmen? Berühmt sein? Möchte ich mich gern als Autorin betiteln, weil es so interessant klingt? Oder möchte ich gar alles, was ich nicht auszusprechen wage schreiben, weil es so einfacher ist? Drücke ich mich mit dem Wunsch zu schreiben gar davor für mich selbst einzustehen? Oder ist die Angst Dinge an- und auszusprechen so groß und das Bedürfnis diese kund zu tun so penetrant, dass ich mich gezwungen fühle es wenigstens in einem Buch niederzuschreiben, ohne die Stimme erheben zu müssen?

Fragen über Fragen. Gute Frage. Berechtigte Fragen. Fragen, die vielleicht ein bisschen Zeit brauchen, die reflektiert werden wollen. Fragen, die sich manchmal nicht einfach beantworten lassen. Fragen, die unbequem sind. Fragen, die Annahmen aufwerfen, die sich unangenehmen anfühlen. Die Aufmerksamkeit verlangen, obwohl ich die Zeit schon anders verplant habe. Fragen, die wie Kalkflecken auf der Duschglaswand einem permanent ins Auge springen. Sie nerven. Es ist anstrengend sich ihnen ständig zuzuwenden. Ich kann diese Fragen nicht mit Schokolade zum Schweigen bringen, zumindest nicht nachhaltig. Ich muss mich diesen und anderen Fragen und meinen Seelenbedürfnissen irgendwann mal stellen. Und das muss nicht lustlos, mühevoll oder kraftraubend geschehen. Es ist mehr als die halbe Miete, wenn ich den körperlichen von dem seelischen Hunger unterscheiden kann. Wenn ich weiß, wer Hunger hat, kann ich ihn besser »artgerecht« füttern oder versorgen. Meinen Magen mit gutem Essen, meine Seele und mein Herz mit dem Schreiben. Wenn mein Magen knurrt, reicht es ihm nicht, wenn ich schreibe. Umgekehrt wird meine Seele mit dem leckeren Oster-Schokohasen nicht glücklich und vermittelt mir auch nach dem zweiten oder dritten Hasen kein Sättigungsgefühl, obwohl mein Magen schon kotzen könnte.

cat-157304_1280Es würde niemand auf die Idee kommen seinem Wellensittich mal mit Entrecôte mit Pommes zu verwöhnen, den Hund mit Tiramisu, wenn er lieber Gassi gehen möchte, Rolex-Uhren den Fischen ins Aquarium zu schütten oder das eigene Kind mit einem Teller Spaghetti befriedigen zu wollen, wenn es seinen Wunsch äußert Klavier spielen zu wollen. »Du, Mamaaa, ich möchte so gerne wie Anna Klavier spielen lernen.« »Ach, Schatz, setz dich schon mal an den Tisch, ich koche dir gleich Spaghetti mit deiner Lieblingssoße.« Bescheuert, oder? Aber genauso agieren wir, wenn unsere Seele oder Herz oder wie auch immer wir unsere inneren Bedürfnisse benennen wollen, nach Erfüllung schreien. Denn oft genug erkennen wir leider nicht, wer hier genau die Stimme erhebt und stopfen stattdessen unseren Magen mit Nahrung voll, die oft den Namen gar nicht verdient, bis wir platzen. Oder den Kleiderschrank mit Kleidung, die wir nicht brauchen und wundern uns, dass das innere Hungergefühl weiterhin bestehen bleibt. Wie blauäugig sind wir eigentlich um zu glauben, wenn wir mehr Geld, bessere Klamotten, ein schnelleres Auto haben, uns ausschließlich auf die Erfüllung von äußeren Bedürfnissen beschränken und die inneren außen vor lassen, dass wir dann glücklich sein könnten? Wo kommt dieser irrige Glauben her? Sind alle Superreichen glücklich? Nein, nicht, wenn sie sich nicht um ihre inneren Bedürfnisse kümmern, genauso wie alle anderen Menschen auch. Ein verbitterter, seelisch unglücklicher Mensch bleibt es auch mit einem Glas Champagner in der Hand, bis er auch seinen inneren Durst stillt.

Der Magen braucht Magenfutter, die Seele braucht Seelenfutter

chiks_seele-körperDer Magen braucht Magenfutter, die Seele braucht Seelenfutter. Punkt. So einfach ist das. Verwechselt man die beiden, kommt es zu Essstörungen, Gewichtsproblemen und Depression. Also, es liegt an dir deinen Einkaufswagen weise zu füllen. Nimm immer ein Körbchen für den Magen, ein Körbchen für die Seele, ein Körbchen für die Gesundheit und Fitness deines Körpers, eins für die Lebensfreude mit, wenn du einkaufen gehst. Und horche in dich hinein, wer gerade Hunger hat und gefüttert werden soll und wer nicht. Speise dein inneres Kind nicht mit einem Teller Spaghetti ab, wenn es kreativ sein möchte. Genießen darf man beide, aber jedes zu seiner Zeit, im richtigen Maß, artgerecht eben. Logisch, oder?

Also, jetzt habe ich mir genug von der Seele geschrieben und mein Magen wünscht sich ein Brötchen mit Honig. Bekommt er auch. Weil er sich mit dem Vorschlag, sich an den neuen Stiefeletten satt zu sehen, nicht abspeisen lässt. Clever, gell?

Foto: Pixabay.com/de
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