Was Frauen auf Dauer die Lebensqualität beeinträchtigen lässt

In meinen Coachings spreche ich oft mit verzweifelten Frauen, die meinen, in einer Situation festzustecken, die sie nicht beeinflussen können. Sie empfinden sich in einer schwächeren Position, in der sie Probleme haben, sich zu behaupten oder abzugrenzen.

  • Weil vermeintlich der Mut fehlt, die eigene Meinung offen auszusprechen.
    Weil vermeintlich Mut und Energie fehlen, sich einer Auseinandersetzung überhaupt zu stellen.
  • Weil der andere sich dermaßen in Ton vergriffen hat, dass sie als Reaktion darauf in eine Schockstarre verfallen.
  • Weil ein Vorgesetzter zu aggressiv oder zu persönlich geworden ist.
  • Weil sie sich von ihrem männlichen Partner, schon alleine aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit, von oben herab oder belehrend behandelt fühlt – wie früher vom Papa.
  • Weil eine Kollegin oder Kollege im Büro wieder mal Gift um sich gespritzt hat, um ihren oder seinen Unmut kundzutun…

»Das sorgt zwar für eine schlechte Atmosphäre, erzählen mir die Frauen, aber wenigstens trauen sich die unliebsamen Kollegen zu sagen, was Sache ist, während ich nur nervös meine Hände knete und nicht weiß, wohin ich schauen soll.«

»Ich möchte auch mal so mutig sein. Grazyna, kannst du mir helfen so mutig zu werden, dass es mir nichts ausmacht, meine Meinung zu äußern, ohne, dass ich mir dabei fast in die Hose mache, ohne, dass mein Herz rast, ohne, dass sich mein Hals vor Angst zuschnürt, ohne, dass ich gleich zu weinen anfangen muss? Ich fühle mich so hilflos und fremdbestimmt.«

Das verstehe ich gut. Das Gefühl festzustecken, nach dem Motto »Und täglich grüßt das Murmeltier«, beeinträchtigt auf die Dauer unsere Lebensqualität. Und richtig, viele Frauen lassen sich fremdbestimmen – und das schwächt immer. Die Hilflosigkeit, die viele Frauen empfinden, raubt alle Energie.

Der erste Denkfehler dabei ist, dass solche Frauen denken, sie könnten an der Situation nichts, aber rein gar nichts, ändern. Wenn sie ihrem Chef kontra geben, könnten sie ihre Stelle verlieren. Wenn sie ihrem Partner sagen, was ihnen nicht passt, wird er sie verlassen. Die Arbeitskollegin auf ihre ständig schlechte Laune hinzuweisen, könnte bewirken, dass sie sich selbst dadurch zur Zielscheibe ihrer zukünftigen Attacken macht.

Der andere Denkfehler ist, dass die Frauen erst lernen möchten ganz mutig, souverän und selbstsicher zu sein, bevor sie sich, sozusagen, dem „Kampf“ stellen und in die Handlung kommen.

 

Fremdbestimmt zu sein ist eine Sache des Zulassens, nicht des Karmas.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum eine Frau sich hilflos fühlt. Um diese zu erkennen, muss sie sehr ehrlich mit sich sein und ihre Handlungen oder Glaubenssätze hinterfragen, ohne zu verurteilen, oder eine gute objektive Freundin fragen, oder ein Coaching nehmen. Weißt sie, was sie klein hält, lassen sich Gegenmaßnahmen leichter vornehmen, die sie in ihre Stärke bringen.

In der Regel hakt es an der persönlichen Einschätzung eigener Fähigkeiten, die leider allzu oft bei Frauen negativ ausfällt, da sie eher als Männer zur Unterschätzung tendieren. Blöd, dass diese geistige Haltung unser Denken und unsere Gefühle beeinflusst und natürlich dementsprechend auch unser Handeln bestimmt.

Die Zielgerichtetheit und Ausdauer, die eine Frau investiert, in Hinblick auf Überwinden der Widerstände, ist von Frau zur Frau unterschiedlich. Deshalb ist eine starke Selbstmotivation unglaublich wichtig.

Auch der Zuspruch von Menschen, die uns viel bedeuteten, die uns lieben und schätzen, lässt uns Frauen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fassen. Sofern das Labsal nicht zu realitätsfern ausfällt, und sofern sich Frauen nicht ausschließlich von sozialen Rückenwind abhängig machen. Wenn er ausbleibt, zuckt eine weise Frau ihre Schultern und motiviert sich selbst.

Ich habe mehrmals beobachtet, wie Frauen ihre Freundinnen oder Töchter, aus falsch verstandenem Mitgefühl, oder noch schlimmer, aus Mitleid, nicht gerade sachdienlich mit Charaktereigenschaften und Fähigkeiten bestücken, um sie zu trösten, die mit der Realität nichts zu tun haben. Wenn solche Überzeugungen und Motivationen nicht mit der Realität kompatibel sind, haben sie keinen konstruktiven Wert und können uns auch nicht dauerhaft aufbauen.

„Ich glaube an mich selbst“

Wer an sich selbst glaubt, der macht einfach einen Schritt nach dem anderen, bis das Hindernis bewältigt ist. Manchmal wissen wir einfach nicht gleich, wie eine Aufgabe bzw. Herausforderung zu lösen ist, aber durch eigenen Willen und ein bisschen Anstrengung ist jede Situation zu bewältigen. Frau darf auch Hilfe von Außen annehmen, Hauptsache sie kommt ins Handeln. Je mehr wir solche Aufgaben angehen, umso mehr werden unser Mut und Selbstbewusstsein wachsen. Wenn wir ein paar knifflige Angelegenheiten für uns erfolgreich lösen, umso leichter und weniger ängstlich lassen sich auch die nächsten angehen.

D.h. DU musst erst ins Handeln kommen, dann werden auch Mut, Selbstwert und Eigenvertrauen zu verlässlichen Werkzeugen heranreifen. Ja, das kostet ein wenig Anstrengung, aber es lohnt sich. Mein Lieblingsspruch dazu: Fake it until you make it. Tue so als ob.

Auf gleicher Augenhöhe

Du hast damit Probleme, dich zu behaupten? Deinen Vorgesetzten oder selbstsicheren Menschen zu kontern? Du wirkst viel zu demütig und wirst ständig ausgenutzt oder übergangen?

  • Versuche, gerade, wenn du dich noch unsicher fühlst, durch Körperhaltung und bestimmte Gesten selbstbewusst und sicher auf die anderen zu wirken. Übe vor dem Spiegel, bis alles natürlich wirkt und sich für dich wie selbstverständlich anfühlt.
  • Schaue Menschen, die dich beleidigend oder ausfällig behandeln, immer gerade in die Augen. Wenn du weg schaust, wirkst du unterlegen und bestärkst den anderen in seiner Macht-Position.
  • Sitzt du, während dich eine Person anpflaumt, stehe auch auf oder bitte sie sich zu setzen. Versuche von Anfang an, selbst rein körperlich, auf gleicher Augenhöhe zu kommunizieren.
  • Stehe bei unangenehmen Gesprächen mit beiden Beinen fest auf den Boden, anstatt ständig von rechts nach links zu treten. Das wirkt unsicher.
  • Frauen weichen unangenehmen, brenzligen Situationen lieber aus. Machst du stattdessen einen kleinen Schritt auf den anderen zu, während du die Person direkt anschaust, wird sie das überraschen und verunsichern. Wir alle haken nur auf „Opfern“ rum, also auf denen, die sich weniger wehren. Traurig, aber wahr.
  • Du darfst lächeln, wenn dich jemand blöd anmacht. Das kann in bestimmten Situationen durchaus überlegen wirken. Aber bitte, bitte lass das unsichere „Kleine-Mädchen-hi-hi-hi-Kichern“, betretenes Wegschauen oder das Herumkauen an der Lippe sein. Das kommt nur bei „fifty shades of grey“, aber selten in der Realität gut an.
  • Niemals darfst du aber lächeln, wenn dich dein Vorgesetzter rügt oder aufzählt, was in einem Projekt falsch läuft. Das vermittelt ihm das Gefühl, du nimmst die Sache nicht ernst, oder du bist zu blöd, den Ernst der Sache zu kapieren. Beides ist nicht gerade karrierefördend.

Die weibliche Körpersprache

Unsere weiblichen unbewussten Körpersignale wie z.B. das automatische Zurückweichen, Platzmachen, wenn jemand auf uns zugeht, der unterwürfige Blick von unten beim Tadeln, lassen uns gerade geschäftlich unsicher erscheinen. Es sind alles reflexartige Körperreaktionen, aber sie lassen sich mit ein wenig Übung umtrainieren. Am besten und schnellsten vor dem Spiegel.

Mein letzter Tipp für heute, suche dir eine Frau als Vorbild aus. Mein Vorbild ist Hannelore Elsner. Natürlich kenne ich sie nicht persönlich, aber sie steht in der Öffentlichkeit und ist somit sichtbar. Ich denke mir oft, wie würde sich Frau Elsner an meiner Stelle in dieser Situation verhalten? Ich empfinde sie als eine Frau mit einem sehr starken Selbstwertgefühl. Eine Frau, die man automatisch respektiert, die dabei immer besonnen und nie aggressiv wirkt. Das ist toll und inspiriert mich immer wieder.

Scheust du manchmal vor Konflikten oder Herausforderungen zurück, weil du denkst, du bist dem nicht gewachsen? Hast du schon gute Erfahrungen mit der Selbstarbeit am Spiegel gemacht? Oder hast du gar bessere Tipps und Strategien auf Lager um aus der Hilflosigkeitsfalle raus zu kommen? Dann hinterlasse hier dein Feedback! Auch deine Story kann das Leben anderer Frauen motivieren. Ich freu mich auf dein Kommentar.

Foto: Pixabay.com/de
Mehr zu Grazyna: www.grazynaberger.com

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