Wirst du gesehen oder übersehen?

Heute ist das Thema „Sichtbarkeit“ aktueller denn je. Sich professionell darzustellen ist ein wichtiges Kriterium für jeden, der beruflich Erfolg haben möchte. Führungskräfte, Angestellte und insbesondere Selbständige bemühen sich darum auf vielen Kanälen sichtbar zu sein, um soziale und berufliche Kompetenz zu signalisieren.

Wahrgenommen zu werden ist nicht nur beruflich von Vorteil. Auch im Privatleben spielt es eine große Rolle, denn das alles hat mit Kommunikation zu tun und der Mensch ist ein kommunikatives, soziales Wesen, das »gut ankommen« will. Davon hing schon immer unser Überleben ab.

Viele Menschen haben damit ein Problem, sich sichtbar zu machen. Es kann ein Zeichen von Schüchternheit sein, von introvertiertem Charakter oder von der Erziehung in der Kindheit herrühren, dass wir uns nicht in den Vordergrund zwängen wollen.

Frauen wollen lieber beliebt als großartig sein

Kleine Mädchen lernen früh, dass es sich nicht ziemt zu fordern oder sich in den Mittelpunkt zu stellen. Sind Mädchen mal laut, unartig, werden sie u. A. mit Liebesentzug bestraft. Jungs dürfen ruhig draufgängerisch sein, schließlich müssen sie sich später im Leben durchsetzen können.

Selbst als Erwachsene fühlen sich einige Frauen verpflichtet, die Frau zu sein, die die Gesellschaft haben will. Brav, lieb, leise, arbeitsam. Ich beobachte oft, dass sich Frauen vor allem über intakte, harmonische Bez

iehungen definieren. Sie leiden darunter, wenn sie jemand nicht mag, mehr als Männer es tun – und da sitzt der Wurm drin. Frauen wollen lieber beliebt als großartig sein.

Denn Großartigkeit fällt auf. Großartigkeit macht sichtbar. Sichtbarkeit bedeutet Verletzlichkeit. Wer sichtbar ist, wer auffällt, ist angreifbar. »Wenn ich mich zeige, kann ich  anecken und mache mich unbeliebt«. In vielen weiblichen Köpfen spukt der Glaube, Kritik und Liebe müssten sich grundsätzlich ausschließen. Kritik wird mit Liebesentzug assoziiert. Das haben wir als junge Mädchen so gelernt.

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Wie fühlt es sich für dich an, sichtbar zu sein?

Beim Thema »Sichtbarkeit« denken wir meistens erst an die äußere statt an die innere Präsenz. Aber wir sind nicht nur sichtbar, wenn wir unsere Webseite lancieren, ein Webinar veranstalten oder ein Video auf Youtube hochladen. Wir präsentieren uns ständig. Unsere Körperhaltung ist eine Präsentation. Unsere Kleidung ist eine Präsentation. Wie wir uns verhalten, ist eine Präsentation. Unser Gemütszustand ist eine Präsentation.

Wir können teure Designer-Kleider tragen, wenn wir innerlich unsicher sind, werden wir es ausstrahlen. Wir können lächeln, obwohl wir traurig sind, aber unser Umfeld wird es spüren. Unser physischer und Energiekörper sind ständig wahrnehmbar und damit sichtbar. Vielleicht achten andere nicht auf uns, aber ihre Energiekörper nehmen wahr, ob wir mit uns im Einklang sind oder nicht. Meistens aber achten nicht mal wir selbst auf uns. Wir sind so beschäftigt mit unserem Alltag, dass wir die eigene innere Präsenz oft vergessen. Das ist schade. Denn das ist die Quelle unserer Energie. Es ist das innere Strahlen und dessen Energie, das die »richtigen« Menschen in dein Leben und Business anzieht.

Spätestens, wenn du selbstständig wirst, musst du dich in der heutigen Zeit mit deiner Sichtbarkeit auseinandersetzen. Sichtbarkeit bedeutet nichts anderes als zu kommunizieren. Und Kommunikation braucht eine bestimmte Energie, damit sie wirksam ist. Es geht nicht um Sichtbarkeit um jeden Preis, sondern um zwei Fragen. Erstens: »Wie will ich wirken?«, und zweitens, als Konsequenz daraus: »Wie erzeuge ich diese Wirkung bewusst?« Natürlich ist für die Umsetzung ein gesundes Selbstbewusstsein als Basis notwendig sowie eine klare Vorstellung davon, was du erreichen willst.

Der Mut sich zu zeigen

Während des Coachens spreche ich mit Frauen, die wirklich viel auf dem Kasten haben. Jede Einzelne von ihnen erlebe ich als extrem fähig und kompetent. Stets kommt das Thema »Sichtbarsein« zur Sprache. Ich spüre dabei ihre Beklemmung und den Widerwillen sich sichtbar zu machen, sich zu verkaufen.

Ich denke nicht, dass es Frauen grundsätzlich an Mut mangelt, sondern an positiven weiblichen Vorbildern. Es gibt im Verhältnis noch relativ wenig Frauen, die sich dabei wohlfühlen, bewusst im Mittelpunkt zu stehen. Im Gegenteil, die urweibliche, mütterliche Stärke macht aus, dass wir uns stark zurücknehmen können; für das Wohl unserer Familie, unserer Umgebung, der Firma oder Projekte, die uns am Herzen liegen. Frauen haben bewiesen, dass sie unglaublich lange die Zähne zusammenbeißen können, ohne  gegen jegliche Miss- und Widerstände aufzumucken. Aber die Selbstmarketing-Keule zu schwingen – das liegt Frauen einfach nicht im Blut. Hier dürfen wir uns ruhig die siegessichere Selbstverständlichkeit bei Männern abschauen, und auf weibliche Art ummodeln.

Zu lieb, zu nachgiebig um erfolgreich zu sein?

Wer heute als Frau in einem Unternehmen Karriere machen will, wird sicherlich nicht so einfach um die geltenden männlichen Business-Regeln herumkommen. Anzug, Körpersprache, Stimmlage – alles entstammt dem männlichen Dominanz-Prinzip.

Männer machen sich körperlich gerne breit, sie sprechen laut. So symbolisieren sie Durchsetzungskraft. Auch in Meetings besetzen sie mehr Platz, in dem sie z.B. ihre Unterlagen auf dem Tisch ausbreiten und die Beine unter dem Tisch großräumig ausbreiten. Frauen haben einen anderen Körperbau und sprechen eine andere Körpersprache. Wir können die Körpersprache der Männer nicht 1:1 imitieren. Sonst entstehen die berühmten unnatürlichen Mannsweiber, die niemand mag.

Die Business-Welt ist männlich-orientiert, aber das bedeutet nicht, dass die männliche Art die einzig Richtige ist. Sie ist der momentan übliche Habitus im Unternehmen aufzutreten; schlicht und einfach, weil Männer diese Domäne länger beherrschen und folglich diese auf Männer ausgerichtet hatten.

Die Autonomie der Frau, sich im Business nicht mehr an männlichen Vorbildern zu orientieren, kommt durch die Frauen zustande, die bereit sind, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, um dort ihren Weg »auf ihre eigene Weise« zu gehen.

Wir Frauen müssen nicht bessere Männer werden – was man(n) uns eh’ vorwirft – sondern entschlossene, in sich stimmige Geschäftsfrauen, die stolz zeigen, was sie drauf haben. Zu lieb, zu zögerlich, zu nachgiebig – sind einige der Gründe, warum Frauen übersehen werden. Wir können uns körperlich nicht so breit machen wie Männer, aber wir können unseren Raum (= Respekt) energetisch, mit gelassenem Selbstbewusstsein, beanspruchen. Und dann können wir, ähnlich Frank Sinatra, »I did it my way« singen, aber eben auf selbstsichere weibliche Art.

Ich bin mir sicher, dass in kommender Zeit mehr Frauen zeigen werden, dass sie auch im Blümchenkleid und mit natürlich-weiblicher Körpersprache erfolgreich agieren können, auch an der Spitze großer Konzerne. Und damit ein neues Vorbild für die weibliche unternehmerische Art kreieren und prägen werden, in der sich Frauen wohl fühlen. Letzten Endes spiegelt die Leistung die Kompetenz wider, nicht das Geschlecht. Das, gleiches Geld für gleiche Arbeit, ist bedauerlicherweise bei der geschlechtsspezifischer Gehaltspolitik noch nicht angekommen. Ein wichtiger Schritt in Richtung Vorbild für eine neue Frauen-Business-Welt, wird auch die selbstverständliche Integration des Mutterseins in den Arbeitstag sein.

Und übrigens: Die Frauenorganisation Catalyst veröffentlichte 2004 eine Studie, die veranschaulicht, dass Firmen in den USA mit stärkerem Frauenanteil im Management deutlich höhere Gewinne erzielen.

Was auch immer deine Dienstleistung ist – zeige dich!

Ich wünsche mir, dass viel mehr Menschen (nicht nur Frauen), die wirklich Großartiges leisten, ihre Bedenken beiseite legen und sich zeigen. Die lauten Schaumschläger, die im Grunde nichts zu sagen haben, die das ganze Social Media belagern, gibt’s schon zur Genüge. Außerdem wäre es wünschenswert, wenn wir alle beim Thema Sichtbarkeit mehr auf die Qualität statt Quantität achten würden. Nicht 100 Youtube Videos zeugen von Kompetenz sondern »der Mehrwert« deiner Sichtbarkeit.

Mach dich nicht davon abhängig, was andere von dir halten könnten. Es ist unmöglich, es allen Recht zu machen. Vielleicht wirst du skeptisch beäugt oder gar abgelehnt. Na und? Immer noch besser als übersehen zu werden. Glaube mir, es wird immer Menschen geben, die nur auf DICH gewartet haben. Und genau diese willst du doch ansprechen, oder? Alle anderen vergiss einfach. Wenn sie wirklich Hilfe suchen, werden sie bei jemand anderen fündig werden.

Deine einzigartige Art zieht perfekte Kunden an

Jeder von uns, selbst wenn wir die gleiche Dienstleistung anbieten, hat seine persönliche, einzigartige Art, die Vertrauen und Interesse weckt, oder eben nicht. Aber nur so finden wir unsere perfekten Kunden und die Suchenden ihren perfekten Hilfesteller.

DU machst den Unterschied. Es geht nicht um die, die dich ablehnen. Es geht um die, die nur über das besondere Vertrauen zu DIR, deine Dienstleistung oder dein Produkt in Anspruch nehmen werden.

Ein gutes Selbstmarketing braucht ein gutes Selbstvertrauen. Aber das nötige Selbstvertrauen entwickelst du nur, während du dich zeigst. Es warten Menschen auf dich. Also, lass bitte nicht zu, dass sie dich übersehen.

Vielleicht wünschst du eine Mentorin, die dir beim Thema Sichtbarsein hilft, wirkungsvoller zu werden? Jemanden, der mit dir über die Richtung und Art deiner Selbstpräsentation reflektiert, deine Blockaden aufspürt und löst oder gar deinen online Auftritt perfekt auf dich und deine Zielgruppe abstimmt? Dann schaue unter www.grazynaberger.com nach. Ich helfe Einzelunternehmerinnen und Frauen sich wirkungsvoll und authentisch sichtbar zu machen.

Foto: Pixabay.com/de
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